Wels
01.09.2026

Bereit sein, wenn er kommt

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Der September ist ein Monat des Übergangs. Die Tage werden merklich kürzer, morgens liegt Nebel über den Feldern, und an den Bäumen hängen die Äpfel.

Wer einen Garten hat, kennt das: Man weiß, dass die Ernte kommt – aber nicht auf den Tag genau. Man geht hinaus, prüft, wartet, kommt am nächsten Tag wieder. Und irgendwann ist der Moment da, an dem sich nichts mehr aufschieben lässt. Wer dann nicht vorbereitet ist, verliert, was über Monate gewachsen ist.

Jesus hat solche Bilder geliebt. Der Feigenbaum, der austreibt. Der Bauer, der auf die Ernte schaut. Und mitten in seiner großen Rede über die letzten Dinge sagt er einen Satz, der wie ein Kern in all diesen Bildern steckt.

"Darum wachet; denn ihr wisset nicht, an welchem Tag euer Herr kommt." (Matthäus 24,42)

Und dann:
"Das sollt ihr aber wissen: Wenn ein Hausherr wüsste, zu welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, so würde er ja wachen und nicht in sein Haus einbrechen lassen. Darum seid auch ihr bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr’s nicht meint." (Matthäus 24,43–44)

Jesus vergleicht sein Kommen mit einem Dieb um zu verdeutlichen, dass der Zeitpunkt nicht berechenbar ist. Es gibt keine Vorwarnung, auf die man sich verlassen könnte. Es gibt kein Datum, das man sich anstreichen und bis dahin alles gut planen kann.

Ich finde das entlastend und beunruhigend zugleich. Entlastend, weil ich nicht rechnen muss. Beunruhigend, weil damit jede Ausrede wegfällt. Es gibt keinen planbaren Zeitpunkt, ab dem ich anfangen müsste, mich bereit zu machen. Es gibt nur heute.

 

Kinder des Lichts

Paulus greift dasselbe Bild auf – und dreht es dann um:
"Denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn kommt wie ein Dieb in der Nacht … Ihr aber seid nicht in der Finsternis, dass der Tag wie ein Dieb über euch komme. Denn ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages." (1. Thessalonicher 5,2.4–5)

Das ist eine bemerkenswerte Aussage. Für die, die im Licht leben, ist dieser Tag kein schrecklicher Überfall, sondern er ist die Ankunft. Derselbe Tag hat ein völlig anderes Vorzeichen, je nachdem, wie ich lebe.

Und darum sagt Paulus nicht: "Fürchtet euch!", sondern: "So lasst uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern lasst uns wachen und nüchtern sein." (1. Thessalonicher 5,6)
Wachsamkeit hat bei ihm nichts mit Nervosität zu tun. Nüchtern sein heißt: klar bleiben und sich nicht "betäuben" oder ablenken und/oder durch permanente Beschäftigung die Signale und Hinweise auf diesen Tag übersehen. Die Gefahr ist, dass mir leise dieser besondere Tag aus dem Blick gerät. Der Kalender füllt sich, die Aufgaben stapeln sich, der Alltag nimmt Fahrt auf und die Erwartung, dass Jesus kommt, wird zu einem Lehrsatz, den ich zwar unterschreibe, der aber meinen Alltag nicht kaum mehr berührt.

Jesus beschreibt genau diese Haltung wenige Verse später. Der untreue Knecht sagt nicht: "Es gibt keinen Herrn", sondern: "Mein Herr kommt noch lange nicht." (Matthäus 24,48)
Das ist der eigentliche Schlaf der die Vorbereitung verhindert - die Verschiebung. dieses "Das hat noch Zeit...".

Wachsam sein heißt für mich praktisch: so leben, dass ich nicht erschrecken müsste, wenn Jesus heute käme.

Es ist wie beim Obst im Garten: Bereit sein und aufmerksam die Reifung beobachten. Die volle Frucht auf die sich alles hin entwickelt hat. Nur dann kann ich diese Früchte ernten.

Paulus schließt seinen Abschnitt mit einer Zusage: "Denn Gott hat uns nicht bestimmt zum Zorn, sondern dazu, die Seligkeit zu besitzen durch unsern Herrn Jesus Christus." (1. Thessalonicher 5,9)
Und einige Verse später: "Treu ist er, der euch ruft; er wird’s auch tun." (1. Thessalonicher 5,24)

Bereit sein meint nicht, dass ich alles im Griff habe oder das ich die volle Kontrolle habe. Ich bin mir sicher, dass er kommt und daher lebe ich so, als würde er "jetzt gleich kommen" und nicht "irgendwann".

Zum Nachsinnen:

  1. Wo in deinem Leben sagst du – vielleicht ohne es auszusprechen – "das hat noch Zeit"?

  2. Was würde sich in deiner Planung für diese Woche ändern, wenn du wüsstest, dass Jesus am Ende dieses Monats kommen wird?

 

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