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16.06.2026

Gemeinschaft, die trägt

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Es gibt diese Momente. Ein Gespräch zur richtigen Zeit. Eine Hand, die sich ausstreckt, bevor man darum bitten kann.

Ein "Wie geht es dir?", das wirklich ernst gemeint ist. Und plötzlich spürst du: Das trägt mich.

Genau das hat Lukas vor Augen, als er die erste Gemeinde beschreibt. Nach Pfingsten wächst die Gemeinde in Jerusalem so schnell, dass man es kaum glauben kann. Aber was Lukas am meisten bewegt, ist nicht die Zahl der Getauften. Es ist, was unter ihnen passiert:

"Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet." (Apostelgeschichte 2,42)

Lehre, Gemeinschaft, Brotbrechen und Gebet. Das war kein spezielles Programm, sondern es war Alltag. Sie aßen zusammen, beteten zusammen, teilten, was sie hatten. Und das Ergebnis? "Sie aßen ihre Speise mit Freude und lauterem Herzen." (V. 46)

Nicht Pflicht, sondern einfach echte, unverkrampfte Freude. Ich finde das schön, aber ich mache mir nichts vor. Echte Gemeinschaft ist anstrengend. Wir bringen unsere Geschichte mit. Unsere Wunden. Unsere blinden Flecken. Und Gemeinschaft bedeutet: das nicht zu verstecken und das bei anderen auszuhalten. Das braucht Geduld. Bereitschaft zur Vergebung. Und immer wieder einen neuen Anfang.

Der Hebräerbrief kennt das. Er schreibt:

"Lasst uns aufeinander achthaben und uns anspornen zu Liebe und guten Werken und nicht aufgeben, unsere Versammlung zu verlassen, wie es einige gewohnt sind, sondern einander ermahnen." (Hebräer 10,24–25)

"Nicht aufgeben" setzt voraus, dass es Gründe gibt aufzugeben. Da gibt es immer wieder Enttäuschungen und Verletzungen durch Andere. Das sind dann Momente, in denen ich mir denke: Ich komme auch für mich allein zurecht, ohne die Anderen... Genau in diesen Momenten sagt der Brief: Bleibt trotzdem zusammen. Nicht weil es leicht ist, sondern weil wir einander brauchen.

"Achtet aufeinander" ist aktiv. Das heißt: Ich bemerke dich. Ich mache mir Gedanken über dich. Ich frage mich, wie es dir wirklich geht, nicht als Höflichkeitsformel, sondern weil es mich interessiert.

In der Gemeinde der Apostelgeschichte hatte niemand etwas übrig, und alle hatten genug. Nicht weil alle so wohlhabend waren, sondern weil der eine sah, was der andere brauchte und danach handelte.

Das ist das Gegenteil von der höflichen Distanz, hinter der wir uns manchmal alle verstecken. Von dem "Wie geht's?", auf das man "Gut, danke" antwortet, weil das erwartet wird und weil es schneller geht. Echte Gemeinschaft fragt nach. Sie hört zu und bleibt dran.

Wir leben in einer Zeit, in der Gemeinschaft oft simuliert wird. Soziale Medien verbinden und isolieren zugleich. Online-Gottesdienste sind möglich und wertvoll, aber sie ersetzen nicht das Beisammensein. Den persönlichen Kontakt. Das gemeinsame Essen.

Vielleicht lohnt sich gerade jetzt die Frage: Bin ich wirklich in einer Gemeinschaft? Nicht als jemand, der Gottesdienste konsumiert, sondern als Mensch, der sich einbringt, der gesehen wird und selbst sieht?

Gemeinschaft entsteht nicht von selbst. Sie will gepflegt werden. Ein Gespräch mehr nach dem Gottesdienst. Eine Einladung zur Nachmittagsjause. Ein Anruf bei jemandem, an den du immer wieder in den letzten Tagen gedacht hast. Der Glaube ist persönlich, aber er ist kein Einzelkampf. Gott hat uns nicht als Einzelgänger entworfen. Er hat uns in Beziehung geschaffen. In Beziehung zu ihm und in Beziehung zueinander.

Die erste Gemeinde ist kein nostalgisches Bild aus einer besseren Zeit. Sie ist ein Vorbild für uns und ein Versprechen: Gemeinschaft, die wirklich trägt, ist möglich. Nicht nur damals in Jerusalem, sondern hier, heute, mit uns.

Ich bin dankbar für jede Begegnung, die mich daran erinnert: Ich muss das nicht allein tragen. Und vielleicht bist du gerade für jemanden in deiner Gemeinde genau diese Erinnerung...

 

 

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